Jugend-Literaturpreis: Sich einen Mord ins eigene Leben schreiben

Gewinner des Jugend-Literaturpreises der OVAG stellten ihre Texte in der Gesamtschule Hungen vor.

Eine Frau namens Fauna haust auf einem Friedhof und muss Lebensbücher schreiben, genauer gesagt: Sie muss das Buch ihres eigenen Lebens schreiben, dass sie als nächstes zu halten hat. Sie ist dabei allerdings nicht völlig frei, sondern muss sich an Eckpfeiler halten, die ihr ein allmächtiger Senat vorgibt. Und die haben es in sich: Ihr nächstes Leben soll – warum auch immer - durch berufliches Versagen, Alkoholprobleme, den frühzeitigen Tod ihrer Eltern und durch einen Mord gekennzeichnet sein, einen Mord, den sie selbst begehen soll. Wie wird Fauna mit diesen bedrückenden Rahmenbedingungen umgehen? Findet sie ein Mittel, um den Senat zu überlisten?

Diese ungewöhnliche Geschichte hat die 20-jährige Patrizia Krug aus Hungen gewebt. Bereits zum fünften Mal in Folge überzeugte sie im vergangenen Herbst die Jury des 16. Jugend-Literaturpreises der OVAG. Nun stellte sie mir zwei weiteren Preisträgerinnen des Wettbewerbs ihre ausgezeichnete Geschichte vor Schülern der Gesamtschule Hungen, die sie selbst vor Beginn ihres Studiums begonnen hat.

Leise, aber umso eindringlichere Töne angeschlagen hat Julie Sophia Schöttner aus Waldsolms, die bereits zum achten Mal unter den Preisträgern dieses Wettbewerbs war. In „Kisten“ beschreibt sie eine junge Frau, die umgezogen ist, aber immer noch nicht ihre Umzugskisten ausgepackt hat, schwanger ist, mit ihrem Freund nicht mehr richtig zusammenkommen. Die Kisten stehen dabei symbolische für so manches Päckchen, das die Frau zu schleppen hat.

Eine junge Frau besucht kurz vor Weihnachten ihr Elternhaus, vermeintlich im ländlichen Gebiet. Sie selbst studiert mittlerweile in der Großstadt. Das ist der Hintergrund der Geschichte „Zuhause“ von Laura Nold (23 Jahre) aus Grünberg. Verdeckte Vorwürfe der Mutter, ein Vater, der sich am Essenstisch die Fußnägel schneidet und ansonsten auf sein Handy starrt und Interesse am Studium der Tochter vortäuscht, um nur irgendetwas zu sagen. Die Großmutter, die bemüht ist, einen Gesprächsfaden zur Enkelin zu knüpfen und dabei von der eigenen Mutter abgebürstet wird („So hätte ich mit meiner Mutter nie geredet“, sagt Oma leise) und die hilflose Aufforderung der Mutter: „Erzähl doch mal was.“ Am Ende von „Zuhause“ ruft die Erzählerin einen Freund in der Großstadt an: „Kannst du mich abholen? Ich will nach Hause.“ Die Geschichte über ein stilleres familiäres Drama, in der kein Wort zu viel ist, in der jedes Wort an der richtigen Stelle sitzt.

Das Buch „Gesammelte Werke“ mit den 23 Texten der Preisträger 2019 kostet 12 Euro und ist erhältlich unter der Telefonnummer 06031 6848-1193 sowie im Servicecenter der OVAG-Gruppe (Hanauer Straße 9-13 in Friedberg). Die neue Ausschreibung zum Jugend-Literaturpreis läuft bereits, Einsendeschluss ist der 15. Juli 2020. 

Jugend-Literaturpreis der OVAG
Der Jugend-Literaturpreis in der Gesamtschule Hungen mit (v.l): Laura Nold, Patrizia Krug und Julie Sophie Schöttner

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