Jugend-Literaturpreis der OVAG

Das Buch „Gesammelte Werke“ mit den Texten der Gewinner von 2019 wurde vorgestellt.

Alf Mentzer, Leiter der Sparte Literatur beim Kulturradio hr2, ist nicht nur ein belesener, intelligenter und redegewandter Mann, sondern auch ein guter Mathematiker. So rechnete er vor seiner Laudatio auf das Buch „Gesammelte Werke“, das die Texte der 23 Gewinner des 16. Jugend-Literaturpreises der OVAG vereint, aus, das 86,96 Prozent der dort vertretenen Autoren weiblich sind.

Aus dieser Feststellung leitete er in der OVAG-Hauptverwaltung in Friedberg eine Beobachtung ab: „In fast allen dieser Geschichten geht es in auffälliger Weise um Räume.“ Die Texte der drei Erstplatzierten trügen einen solchen bereits im Titel ihrer Kurzgeschichte: „Zuhause“ von Laura Nold (Grünberg), die titelgebenden „Kisten“ von Julie Schöttner (Butzbach), die nach einem Umzug ausgepackt in der neuen Wohnung stehen bleiben und damit einem Raum des Unsichtbaren im Sichtbaren, des alten im neuen Leben markierten oder „Wilderness“ bei Kerstin Uebele (Bad Nauheim), eine Stadt an der südafrikanischen Küste, die für eine ganze Reihe von Sehnsuchts- und Fantasieräume stünden, die die beiden Hauptfiguren kraft ihrer Imagination erschüfen.

Die Folgerung von Alf Mentzer: „Schreiben scheint, besonders für junge Autorinnen, etwas damit zu tun zu haben, sich einen Raum zu schaffen, seinen Raum in der Welt zu finden, neu zu bestimmen, oder zu erweitern.“

Literatur, so Mentzer, erkunde und gestalte die Zwischenräume der Welt und damit auch die Freiheitsräume, die den Preisträgern, allen Fakten zum Trotz, immer noch blieben. „Ich kann nur bewundern, mit welcher Fantasie und Originalität die Texte des Wettbewerbs diese Freiheitsräume gestaltet haben.“ Eine Gesellschaft brauche Räume, in denen anders gedacht werden, in denen geträumt werden dürfe. „Nur dann bleibt eine Gesellschaft lebendig, nur dann ist das Leben lebenswert. Ansonsten bleibt sie an die Eckpfeiler der Faktizität gekettet. Ein Mangel an Fantasie kann eine Gesellschaft genauso zerstören wie die Lüge.“

Joachim Arnold, Vorstandsvorsitzender OVAG, ging in seiner Ansprache auf den viertätigen Workshop im vergangenen November in Bad Kissingen ein, der dem Buch „Gesammelte Werke“ vorausgegangen ist. Bei diesem bearbeiteten die 23 Preisträger aus der Wetterau sowie den Landkreisen Wetterau und Gießen, ihre ausgezeichneten Texte gemeinsam mit renommierten Schriftstellern wie beispielsweise Feridun Zaimoglu. Arnold hob die besondere Atmosphäre dieser Tage hervor, den „intensiven Austausch“ von gleichgesinnten Menschen zwischen zwölf und 23 Jahren, die sich größtenteils vorher noch nie über den Weg gelaufen seien aber innerhalb kurzer Zeit zu einer homogenen Gruppe zusammenwüchse, als würden sie sich schon lange kennen.

„Was mich, der eine kurze Zeit in den Workshop hineingeschnuppert habe, neben der Qualität und der Themenvielfalt am meisten beeindruckte, war die Konzentration, die Ausdauer und der Enthusiasmus welche die jungen Autoren dabei immer wieder von morgens früh bis spät am Abend an den Tag legten“, sagte Arnold.

Zugleich wies Arnold auf die Nachhaltigkeit des Wettbewerbs der OVAG hin. Denn nach der Buchpräsentation gehen die Gewinner nun auf Lesetournee durch rund 35 Schulen in der Wetterau, dem Vogelsberg und dem Landkreis Gießen.

Das Buch „Gesammelte Werke“, 194 Seiten mit vielen Fotos, kostet 12 Euro und gibt es bei der OVAG in Friedberg, Hanauer Straße 9 – 13 oder telefonisch unter 06031 6848 1193.

Buchpräsentation OVAG Jugendliteraturpreis
Buchpräsentation in Friedberg: Die Preisträger mit Joachim Arnold und Laudator Alf Mentzer.

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