Ein Funken fröhlicher Aufgeregtheit ….

Klassik, Rock, Pop: Comeback von Ralph-Philipp Ziegler mit dem Capitol Symphonie Orchester in Wölfersheim.

Erstmals gastiert der „Klasse Klassik Sommer“ der OVAG und der Sparkasse Oberhessen in Wölfersheim am Sonntag, 11. August, 20 Uhr, im Rahmen der Reihe „Sommer am See“ der Gemeinde Wölfersheim. Thema des diesjährigen Musik-Spektakels: „Götter, Groove & Glitzer – A Song of Fire and Candy“. Wir sprachen mit dem Künstlerischen Leiter des Orchesters und Moderator des Konzerts, Dr. Ralph Philipp Ziegler.

Nach sechs Jahren kehren Sie mit Ihrem eigenen Orchester zu der Reihe Klasse Klassik Sommer zurück. Wie ist das für Sie?

Ralph Philipp Ziegler Unglaublich erwartungsfroh. Die Konzerte beim Klasse Klassik Sommer in Friedberg waren immer totale Höhepunkte im Konzertjahr. Mein bislang letztes Konzert dabei war ja gleichzeitig auch das letzte im Zirkuszelt, 2018. Die Wetterau hat uns gefeiert wie Rockstars. Natürlich haben wir uns alle Mühe gegeben, dem Publikum einen Grund dafür zu geben.!

Aus dem Publikum wurden Sie immer wieder als Moderator nachgefragt. Wie wird man Publikumsliebling?

Ziegler Dadurch, dass man nicht versucht, ein Liebling zu werden. In meine erste Konzertmoderation bin ich hineingestolpert. Für eine meiner ersten größeren Konzertproduktionen war der Moderator – ein angesehener Schriftsteller – kurzfristig erkrankt. Ich hatte sein Manuskript und dachte, na ja, fürs Vorlesen musst Du jetzt nicht extra jemanden holen. An einer Stelle habe ich mich verlesen und vor Schreck die Stelle im Text nicht mehr gefunden. Da musste ich dann improvisieren und hab einfach drauflos erzählt. Ein Musikmanager aus dem Pop-Geschäft sagte mir später einmal „Deine Moderationen klingen immer noch so, als hätte man Dich überraschend auf die Bühne geschickt – so spontan wirkt sonst keiner.“ Das habe ich als großes Lob angenommen.

Sie sind bekannt geworden für Ihre pointierten, unterhaltsamen Ansagen. Wie viel Zeit investieren Sie dafür? Wie stellen Sie ihre Texte zusammen?

Ziegler Mehr als Sie denken – und weniger, als ich mir wünschen würde… – jedenfalls in dem Moment, in dem ich dann am Mikrofon stehe… Aber dieses Gefühl, nicht alles haarklein vorbereitet zu haben, bringt eben auch diesen Funken fröhlicher Aufgeregtheit hinein, mit dem sich so schön erzählen lässt. Im Prinzip würde ich sagen: Die Hälfte ist vorbereitet, also das Grobkonzept, über welche Aspekte ich etwas erzählen will, ein paar etwas eigensinnig gezogene Parallelen, ein paar überraschende (aber in der Regel seriöse) Statistiken. Die andere Hälfte kommt zum Teil aus dem Wissensspeicher, den jeder in seinem Fachgebiet hat – und dann natürlich die Einfälle, die mir spontan kommen – das Wetterauer Publikum inspiriert schon auch aus dem Moment heraus…

Wie setzen Sie das musikalische Programm zusammen?

Ziegler Ich suche die Stücke zusammen, die im Programm sein sollten. Ein bisschen so, wie Michelangelo über eine seiner Skulpturen gesagt haben soll, sie sei immer schon da gewesen – er habe lediglich den überflüssigen Marmor darum herum entfernen müssen. Ohne mich mit Michelangelo vergleichen zu wollen. Die Grundidee ergibt sich aus der Wechselwirkung von Stücken, auf die ich Lust habe und Themen, unter denen man sie sortieren könnte. Wenn daraus ein Gerüst steht, dann beginnt die eigentliche Bastelarbeit. Meine sicherste Methode, ein Programm rund zu bekommen, ist Bahnenschwimmen – nach einer Stunde mit freiem Kopf im Wasser sind dann meist ein, zwei Konstellationen klarer. Ein abendfüllendes Programm braucht bei mir also auf jeden Fall etliche Kilometer Brustschwimmen.

Wie bringt man es fertig, über 45 Individualisten zu einem Orchester zu formen und es zusammenzuhalten?

Ziegler Durch Inspiration und Leidenschaft. Das mit den 45 Individuen ist ja die Grundfrage im Orchesterspiel: Jede und jeder ist eine künstlerisch gereifte Persönlichkeit, aber sie sollen alle zusammenspielen wie ein einziges großes Instrument. Das ist einerseits die zentrale Aufgabe des Dirigenten oder der Dirigentin – und andererseits die hohe Kunst der Gemeinsamkeit. Also, so viel Persönliches zu geben, dass es Kunst mit Herz und Aussage wird – und sich so viel in das große Ganze zu integrieren, dass es ein gemeinsamer Organismus wird. Das Capitol Symphonie Orchester (von dem viele Kolleginnen und Kollegen noch aus dem Zirkuszelt bekannt sein werden) ist natürlich auch zusammengehalten durch die Freude daran, gute und manchmal auch etwas außergewöhnliche Musik zu machen.

Auf was dürfen sich die Besucher in diesem Sommer freuen?

Ziegler Wie immer auf Musik der unterschiedlichsten Richtungen, die dann seltsamerweise zusammenpasst. Das ist das Schöne, dass gute sich Musik auch über die Genregrenzen hinweg super kombinieren lässt. So sind Wagners „Walkürenritt“‘ oder Mussorgskys „Hütte der Baba Yaga“ dermaßen druckvoller Rock’n Roll, dass sie auch von Metallica oder Deep Purple nicht eingeholt worden sind. Sonst hätte Francis Ford Coppola Wagners Musik wohl kaum in einer Schlüsselszene in „Apocalypse now“ verwendet. Also Klassik, die Rock ist und Pop, der Klassik ist… Es gibt unter anderem dreimal Queen und einmal Eagles, Beatles und zwei starke Songs aus „Barbie“. Die fantastische Arie „Nessun dorma“ und „Jupiter“ aus den Planeten. „Game of Thrones“ und „Go West“. Und noch viel mehr tolle Musik mit tollen Sängerinnen und Sängern – und natürlich dem Capitol Symphonie Orchester.

Sitzplatzkarten zwischen 32,60 und 39,90 Euro (zzgl. VVK-Gebühren) bei www.adticket.de und allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Orchester im Konzert
Das Capitol Symphonie Orchester.

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