„Das Größte, was ein Autor erreichen kann“

Der Abend der Gewinner des 18. Jugend-Literaturpreises der OVAG.

„Ich war überrascht von der hohen literarischen Qualität.“ Der Laudator nahm kein Blatt vor den Mund und ihm war das Erstaunen regelrecht anzusehen. Und Martin Maria Schwarz muss es wissen, ist er doch seit zwei Jahrzehnten Redakteur beim Kulturradio hr2 und hat in dieser Zeit unzählige Bücher besprochen. „In einer mich berührenden Reflexionstiefe habe ich die Texte der Gewinner als eine schonungslose Auseinandersetzung mit der Welt gelesen, die als falsch identifiziert wird“, sagte er im Rahmen seiner Laudatio zu Ehren der 24 Gewinner des 18. Jugend-Literaturpreises der OVAG, die ihre Preise jetzt im Kursaal des Hotel Dolce in Bad Nauheim vor zweihundert geladenen Gästen erhielten.

„Das alles wird in spannenden Sätzen geschildert und zwar so, dass der Leser gleich mittendrin ist. Dass ist das Größte, was ein Autor erreichen kann.“

Auch OVAG-Vorstand Oswin Veith betonte anhand einiger repräsentativer Texte, wie sehr es den Schreibern gelinge, den Leser hautnah am Geschehen teilhaben zu lassen. „Wir alle kennen die drastischen Bilder von Menschen, die aus weit entfernten Ländern flüchten. Was aber spielt sich auf einem schneebedeckten Berggipfel ab, was auf einem lecken Schiff auf dem Mittelmeer, wenn keine Kameras zugegen sind. Preisträger aus diesem Jahr erzählen es uns, weil sie es selbst erlebt haben.“ Es seien aber nicht nur die Texte mit teils existentieller Tiefe, die ihn beeindruckt hätten, sondern auch jene, die den Leser unterhielten, ihn zum Lachen, zum Schwärmen und zum Nachdenken brächten. „Auch das ist ja ein Motiv für gute Literatur.“

Der erste Preis ging in diesem Jahr an die 18-jähtrige Emmelie Specht aus Nidda, Schülerin des dortigen Gymnasiums und ihren Text „Die Sache mit der Wahrheit“. Geschickt schildert sie eine junge Frau, die zwischen ihren Eltern steht, die sich nicht mehr verstehen. Kernsatz ihrer Geschichte: „Die Menschen brauchen keinen Zucker. Sie brauchen die Wahrheit.“ Sarah Emamzahi (19 Jahre) aus Lich sprach die Jury den zweiten Platz zu. Die junge Frau aus Afghanistan, die gerade eine Ausbildung zur Krankenpflegerin absolviert, skizziert in „Wie viele Tode kann ein Mensch sterben?“ einen Teil ihrer Fluchtgeschichte.

Den dritten Platz gewann Svantje Rack aus Biebertal mit ihrer Kurzgeschichte „Bahnhof“. Dabei ist der 17-jährigen der Herderschule Gießen das facettenreiche, psychologische und sensibles Portrait einer Zugbegleiterin gelungen.

Neben Geldpreisen erhalten die 24 Preisträger aus der Wetterau sowie den Landkreisen Gießen und Vogelsberg die Teilnahme am dem viertägigen Workshop im November, bei dem Schriftsteller mit ihnen ihre Texte lektorieren. Diese Texte erscheinen dann im Februar 2022 in dem gemeinsamen Buch „Gesammelte Werke“. Hernach sind Lesungen an 38 Schulen geplant.

Die weiteren Preisträger:

  • Nina Ahlig (Schotten), Gesamtschule Konradsdorf
  • Masa Alnomani (Ober-Mörlen), ELS
  • Pia Bonn (Friedberg)
  • Valentina Dittrich (Friedberg), St. Lioba Schule Bad Nauheim
  • Caroline Görlach (Pohlheim)
  • Leni Herzfeld (Gießen), Gesamtschule Gießen-Ost
  • Paula Kopp (Niddatal), Adolf-Reichwein-Schule Friedberg
  • Mara Lippert (Grünberg)
  • Helen Mehr (Friedberg), St. Lioba Schule Bad Nauheim
  • Marie Middendorf (Rodheim), ELS
  • Fabian Minor (Niddatal), ELS
  • Mia Morys (Ober-Mörlen), Weidigschule Butzbach
  • Svea Schäfer (Hüttenberg), Weidigschule Butzbach
  • Celina Scheibel (Langgöns), Weidigschule Butzbach
  • Mia Schlachter (Pohlheim)
  • Julia Schnabel (Bad Nauheim), St. Lioba Schule Bad Nauheim
  • Ali Shaker (Gießen)
  • Norina Tondar (Rabenau)
  • Christopher Weber (Alsfeld), Geschwister-Scholl-Schule Alsfeld
  • Isabel Weinert (Bad Nauheim), ELS
  • Lilli Weiskopf (Gießen)

Der Karlhans-Frank-Gedächtnis-Preis ging an die ehemalige 9. Klasse des Gymnasiums Nidda unter Lehrer Markus Hofmann für das Unterrichtsprojekt „Von der Idee zum Hörspiel“.

Gruppenfoto aller Preisträger
Alle Preisträger mit den OVAG-Vorständen Joachim Arnold und Oswin Veith und Laudator Martin Maria Schwarz.

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