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„Wie in einem Parallel-Universum“

Meldung vom 22.11.2017

Gewinner des Jugend-Literaturpreises der OVAG trafen sich zum Lektoren-Workshop in Bad Kissingen

Die Welt sei nach diesen vier Tagen wieder ein wenig besser geworden, merkte Schriftsteller Gerhard Henschel bei der Schlussbesprechung an. „Eine Welt mit weniger Kommafehlern ist eine bessere Welt. So haben wir die Welt nun also ein wenig besser gemacht.“

Freilich war das Tilgen von Kommafehlern nur ein Teil des Anlasses für den Workshop der 23 Gewinner des 14. Jugend-Literaturpreises der OVAG in Bad Kissingen, vielleicht sogar nur ein geringer Teil. Denn im Wesentlichen ging es darum, die ausgezeichneten Texte noch besser zu machen, sie gewissermaßen zu veredeln. Überflüssiges streichen, Füllwörter sowieso, Blockaden abbauen, die eine Erzählung aufhalten oder den Leser aus der Bahn werfen, falschen und schiefen Bildern auf die Spur kommen, Unsauberkeiten in der Sprache ausmerzen. So manchen der Teilnehmer wunderte es, wie lange man temperamentvoll darüber diskutieren kann, ob Tränen wirklich kullern. Ob das Mondlicht nicht immer fahl ist. Und springt der Autor in dieser und jener Szene nicht plötzlich aus der Erzählperspektive?

Neben Gerhard Henschel – zum ersten Mal als Lektor dabei – halfen die Schriftsteller Feridun Zaimoglu, Ursula Flacke, Franziska Gerstenberg, Journalist Jürgen Wagner und OVAG-Pressesprecher Andreas Matlé dem schreibenden Nachwuchs auf die Sprünge. „Immer auf Augenhöhe, nie aus der Position des Besserwissers“, betonte Ursula Flacke. Aber bestimmt und fundiert. „Sehr schnell merken die Schreiber, dass sie für ernst genommen werden.“ Und dann, so Feridun Zaimoglu, gelte der Grundsatz: „Es gibt nichts Feigeres als falsches Lob.“ Am Ende war Gerhard Henschel überrascht, wie die 23 aus Oberhessen im Alter zwischen 14 und 23 Jahren mit der Kritik umgingen: „Hut ab. Hätte ich in diesem Alter nicht hinbekommen.“

Franziska Gerstenberg sah eine Erfahrung aus den vergangenen Jahren bestätigt: „Es erstaunt mich immer wieder, wie intensiv die Preisträger mitarbeiten, wie viel sie so in relativ kurzer Zeit viel lernen, mit wie viel Begeisterung sie bei der Sache sind. Auch wenn es nur wenig Schlaf gibt. Und dennoch kam der Spaß nicht zu kurz.“

Es ist wohl die gewisse Atmosphäre, eine bestimmte Art von „Geist“, die sich jeweils über diese vier Tage in Bad Kissingen senkt. „Ich wusste nicht, was auf mich zukommt“, sagte die 16-Jährige Pia Bonn aus Friedberg am Ende. „Ich war erstaunt, wie schnell ich mit den anderen, die ich vorher nicht kannte, ins Gespräch kam. Es gibt eben etwas, dass uns alle verbindet: Das Schreiben.“ Mit vielen Gleichaltrigen, so Patrizia Krug (18 Jahre) aus Hungen, könne man meist nicht in dieser Art und Weise über die Texte sprechen und darüber diskutieren. Anna Schmidt (22) aus Nidda, bereits zum vierten Mal unter den Gewinnern: „Das ist so, als halte man sich in einem Parallel-Universum auf. Und alle sind traurig, wenn es dann wieder nach Hause geht.

Im Februar liegen die Früchte der Arbeit von Bad Kissingen in gedruckter Form vor. Dann erscheinen die „Gesammelten Werke“, das Buch mit allen lektorierten Geschichten. Es kostet 12 Euro und kann schon jetzt vorbestellt werden unter der Rufnummer 06031 6848 1118.

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