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Kläranlage steht immer mehr auf eigenen Füßen

Meldung vom 14.12.2017

Neues Blockheizkraftwerk: 65 Prozent ihres Strombedarfs produziert die Anlage in Nidda jetzt selbst

Seit Kurzem ist die Kläranlage in Nidda in der Lage, ihren Wärmebedarf komplett selbst zu erzeugen. Denn nun ist das neue Blockheizkraftwerk in Betrieb gegangen. „Zusammen mit den Photovoltaikanlagen können wir theoretisch rund 65 Prozent des Strombedarfs der Kläranlage selbst erzeugen“, sagt Mattias Seum, Verbandsingenieur des Abwasserverbandes Oberhessen (AVOH).

„Leider“, so Seum, „können wir den Strom noch nicht komplett selbstverbrauchen, die Überschüsse speisen wir aber in das Netz des Energieversorgers ein. Erst nach Bau eines größeren Gasspeichers, der für 2018 geplant ist, können wir den Eigenverbrauch wesentlich erhöhen.“

Das neue Blockheizkraftwerk hat eine Leistung von 98 KW elektrisch und 132 KW thermisch, die Baukosten betrugen rund 375.000 Euro. Bei der Stromerzeugung wird von einer Produktion von 550.000 kWh pro Jahr ausgegangen.

In der Kläranlage in Nidda fallen täglich rund 60 Kubikmeter Schlamm durch die klärtechnischen Prozesse an. Dieser Schlamm wird in den Faulbehälter gepumpt. Unter Ausschluss von Sauerstoff entstehen hier so täglich rund 850 cbm an Klärgas. Seum: „Aus diesem Gas erzeugen wir mit Hilfe eines sogenannten Blockheizkraftwerks Wärme und Strom, für die verfahrenstechnischen Prozesse in der Kläranlage.“

Bereits im Mai 1985 wurde das erste Blockheizkraftwerk der Anlage in Betrieb genommen. Diese Maschine konnte damals 42 KW Strom pro Stunde erzeugen, was zu einem Jahresertrag von zirka. 200.000 KW geführt hat, die Baukosten betrugen damals rund 185.000 DM. Damit konnten 25 Prozent des Stromverbrauchs der Kläranlage gedeckt werden.

Zur wesentlichen Steigerung der Gasproduktion trug ein vom AVOH erarbeitetes Konzept zur Zentralisierung von Kläranlagen bei. So konnten in den letzten Jahren die sanierungsbedürftigen Kläranlagen Breungeshain, des Krankenhauses Schotten sowie Wallernhausen stillgelegt, und an die Verbandskläranlage in Nidda angeschlossen werden. Das Konzept hat damit nicht nur den Vorteilen in Bezug auf die Reinigungsleistung des Abwassers Rechnung getragen, erklärt Kai Mathes, technischer Geschäftsführer des AVOH.

Auch die seit dem Jahr 2017 bestehende erfolgreiche Kooperation mit dem Abwasserverband Oberes Niddertal (AVON) beeinflusst die Gasproduktion positiv. Seit inzwischen einem Jahr lässt der AVON seine Schlämme nach Nidda fahren und hier in den Schlammweg einbringen. Der AVON betreibt fünf Kläranlagen zwischen Gedern und Stockheim. Diese Anlagen verfügen allerdings über keine Schlammbehandlungsstufe zum Ausfaulen von Schlämmen.

Kai Mathes mit einem Ausblick: „Nach Abschluss der Bauarbeiten am Blockheizkraftwerk und dem neuen Gasspeicher wollen wir ab 2019 weitere Versuche unternehmen, die Gasproduktion zu erhöhen. Hierzu ist geplant eine Klärschlammdesintegration zu bauen.“ Bei diesem Verfahrensschritt wird die Schlammflocke aufgebrochen und kann besser ausfaulen. Dadurch konnte in anderen Kläranlagen die Gasausbeute um bis zu zwanzig Prozent erhöht werden. „Sollte uns dies gelingen, ist eine Kläranlage zum Greifen nahe die von der Energiezufuhr von außen unabhängig ist“, stellt Mathes in Aussicht.

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