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Im Rampenlicht: Wasserleitung wandt sich in den Untergrund …

Meldung vom 10.04.2018

Die OVAG verlegte in Bingenheim auf vierhundert Metern eine neue Wasserleitung

Es hat den Anschein, als werde in den späten Abendstunden und mitten in der Nacht in der Hügelstraße im Echzeller Ortsteil Bingenheim ein Sciencefiction-Film gedreht. Beinahe bizart erleuchtet, schiebt sich ein dunkler, vierhundert Meter langer Lindwurm am Ende der Straße nahe des Waldes in den Untergrund. Langsam, mehrere Minuten für einen Meer benötigend. Aber es handelt sich so wenig um einen Film wie um eine Raupe, sondern vielmehr um ein Trinkwasserrohr, um das sich in dieser Nacht alles dreht. Genau genommen windet es sich auch nicht in den Boden, sondern wird von einem Roboter ans andere Ende der Straße gezogen bis es in seiner Gänze verschwunden ist. Dann erst kann es an beiden Enden an die bestehende Trinkwasserleitung angeschlossen werden.

Nachtschicht für die Mitarbeiter der OVAG und jener von der für Spezialaufgaben beauftragten Firma: Da in der Hügelstraße der Straßenbelag und die unterirdischen Leitungen ausgetauscht werden, hatte sich die OVAG entschlossen, auf besagten vierhundert Metern die einhundert Jahre alte 1. Fernwasserleitung von Hungen nach Frankfurt auszutauschen. „Über kurz oder lang hätte dieser Austausch sowieso angestanden“, verweist Franz Poltrum, stellvertretender Leiter der Sparte Wasser bei der OVAG, zum Hintergrund dieser Arbeiten. „Um wirtschaftlich vorzugehen und den Anwohnern Unannehmlichkeiten zu ersparen, haben wir uns zu der Sanierung im Vorfeld zu den bevorstehenden Arbeiten der Gemeinde entschlossen.“

Nun ist der Austausch einer Trinkwasserleitung für die Fachleute der OVAG nichts Ungewohntes – allerdings war die Art und Weise, wie sie in der Hügelstraße vorangingen, eine Art Premiere. „Normalerweise bauen wir parallel zur alten Leitung die neue und bleiben mit der Leitung so lange wie möglich in Betrieb. Dies war aber hier nicht möglich, weil die Straße zu eng ist“, bedeutet Projektleiter Florian Odermatt. „Deshalb haben wir ein sogenanntes Relining-Verfahren gewählt, bei dem in die alte Leitung in die neue gezogen wird. Die neue Leitung aus Polyethylen wurde vorher in Verlängerung der alten Leitung vorgefertigt, abgedrückt und desinfiziert und lag zum Einzug auf Rollen bereit.“ Diese ist zwar etwas dünner als die ursprüngliche 70-Zentimeter-Leitung, aber auf dieser relativ kurzen Distanz hat dies keinerlei Nachteile für die Verbraucher. Auch kann man mit diesem Verfahren die Unterbrechung der Versorgung auf wenige Stunden beschränken.

Bereits um 6 Uhr in der Frühe hatte der ereignisreiche Tag begonnen. Langsam ließen die Fachleute der OVAG das Wasser aus dem betroffenen Leitungsabschnitt. Im vergangenen Herbst wurde für den Abschnitt eine neue Absperrarmatur eingebaut und weitere vorbereitende Arbeiten getroffen, damit die Zeit für die Entleerung und Befüllung minimiert werden konnte.

Dass diese Sanierung nicht alltäglich ist, wird spätestens klar, als nicht alles glatt läuft. Trotz guter Planung und Beauftragung einer Fachfirma, stehen die Arbeiter vor besonderen Herausforderungen. So gilt es, bedingt durch die enorme Wandstärke und niedrige Temperaturen, die Startgrube - also die Baugrube, an der das Rohr von der Erdoberfläche in die Tiefe und letztendlich in das Altrohr gelangt - zu verlängern. Zudem hat die Zugmaschine trotz vorheriger Wartung einen Defekt, wird flugs gegen eine bereitstehende Ersatzmaschine ausgetauscht. „Alles Zusatzarbeiten, die Zeit kosten und letztendlich das zur Verfügung stehende Zeitfenster immer enger werden lassen. Aber auch auf solche zusätzlichen Herausforderungen waren wir vorbereitet“, sagt Florian Odermatt.

Nach dem vollkommenen Einzug des rund 25 Tonnen schweren Rohres in das Altrohr in 2,50 Meter Tiefe erfolgt das sogenannte Anbinden, also der Anschluss an beiden Enden, was enorme Kenntnis voraussetzt. Einerseits wird das Reliningrohr durch den Einzug stark gebogen und gezogen - immerhin mit über 30 Tonnen Zugkraft - andererseits kühlt es von den Temperaturen eines schönen Sonnentages auf Erdtemperatur ab. Weiterhin muss den im späteren Betrieb auftretenden Kräften im Rohr durch entsprechende Abstützungen Rechnung getragen werden.

Nach gewissenhafter beidseitiger Anbindung und vorsichtigem Füllen mit anschließendem Spülen kann die OVAG die gesamte 1. Fernwasserleitung schließlich wieder in Betrieb genommen werden. Rund 350.000 Euro hat das Unternehmen in diese Verlegung investiert.

Die Anwohner bekamen außer der spektakulären „Film-Kulisse“ nicht viel mit: Auf den Zugang zum Trinkwasser musste keiner von ihnen verzichten.

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